Geschichten über unsere Weißen Schäferhunde

Unser erster Besuch bei einem Züchter!

Sybille Döderlein

Lautes Hundegebell erklingt, als wir an das Gartentor des Züchters kommen. Energisch kämpft sich eine zierliche Person durch acht Eisbären. "Nicht erschrecken, die passen bloß auf! Kommen Sie, ich bringe Sie ins Haus. Bitte setzen Sie sich gleich auf das Sofa, dann wissen die Hunde, dass alles in Ordnung ist."

Gesagt, getan! Ich muss schon sagen, ich bin bestimmt nicht ängstlich, was Hunde angeht, aber wenn man durch so eine Meute muß, dann wird einem schon anders zumute. Die Tiere begleiten uns immer noch bellend ins Wohnzimmer, als wir dann alle sitzen, kehrt Ruhe ein.

Nun kommt einer nach dem anderen um die Eindringlinge zu begutachten.

Zuerst die Rüden, ein wahrer Koloss ist dabei, genau mein Typ. Für mich steht fest; genau so einen will ich haben. Nun kommt der Zweite, ein sehr schlanker, eleganter Hund, er tänzelt anmutig zu meinem Mann und ist recht zutraulich. So nach und nach zeigen sich auch die Hündinnen, alle sind sehr vorsichtig; ein Rassemerkmal, wie uns die Züchterin sagt, aber durchaus selbstbewusst. Nur zwei Hündinnen liegen bei der Züchterin und rühren sich nicht vom Fleck. Ob man die beiden nicht anfassen darf, will mein Sohn wissen.
Grundsätzlich schon, aber beide sind Fremden gegenüber reserviert, beim ersten Besuch gelingt es selten, sie zu berühren. Wir erfahren, dass es sich um Mutter und Tochter handelt. Die Tochter wird nicht zur Zucht eingesetzt, weil sie kein Interesse an Rüden hat, aber man hänge an ihr und könne sie nicht weggeben.
Der erste dicke Pluspunkt auf meiner Liste.

Nun geht die Züchterin auf die einzelnen Hunde ein. Sie erzählt uns von jedem Hund, was besonders liebenswert an ihm ist und welchen ganz persönlichen Spleen er hat. Man kann es vorwegnehmen, die Macken sind durchaus auch liebenswert, aber durch sie unterscheiden sich die Hunde ganz erheblich voneinander. Zum einen ist da dieser bärige Rüde, der einen besonderen Dickkopf besitzt und ganz zuverlässig die Interessenten aussortiert, die keinen Welpen verdienen.

Uff, gehören wir da auch dazu?

Nein, in diesem Fall würde er nicht neben mir sitzen und sich die dicke Wolle kraulen lassen.

Nun stellt ein anderer Hund fest, dass ich ja noch eine Hand frei habe, also wird rückwärts eingeparkt, damit ich alle Hände voll zu tun bekomme. Meinem Mann ergeht es nicht anders, ständiger Wechsel zwischen den Hunden, aber immer will jemand gestreichelt werden. Ich kann gar nicht glauben, dass die alle so verschmust sind. Doch, wenn sie jemanden ins Herz geschlossen haben, dann können sie sich zum Schoßhund entwickeln.

Jetzt wollen wir einiges von der Züchterin über die Rasse erfahren. Kein Problem, wir werden ausführlich informiert, bekommen viele Bilder vorgelegt und so manches wird am "lebendem Objekt" veranschaulicht. Nun sind wir wirklich ganz sicher, dass es diese Rasse sein soll.

Was wir noch nicht wissen: Wer sind die Eltern der zum Verkauf stehenden Welpen?
Mein bäriger Rüde ist der Vater, Juchhe! Die Mutter ist ebenfalls eine kräftige Hündin, die eine große Selbstsicherheit ausstrahlt. "Ja, ja, das ist mein Aufpasser", sagt die Züchterin. "Wenn ich bei der Futterzubereitung bin, dann setzt sich diese Hündin vor die Tür und läßt keinen anderen Hund vorbei, so kann ich in aller Ruhe die Futterschüsseln verteilen."

Bei diesem Thema erklärt sie uns gleich, dass die Hunde unterschiedliches Futter bekommen, je nach Typ. Die Zeit vergeht wie im Fluge, eigentlich wollten wir nur mal eben die Welpen besichtigen und nun sitzen wir schon über zwei Stunden hier. Jetzt raschelt es an der Tür. Alle Hunde springen mit einem wahren Freudengeheul auf.
Der Herr des Hauses kommt, zumindest versucht er es. aber in diesem Getümmel kommt er keinen Schritt vorwärts. Mich wundert heute noch, dass er in seinen Schuhen geblieben ist. Jeder Hund wird mit freundlichen Worten und Gesten bedacht. Dann ist gut, wir werden begrüßt und nachdem er sich zu uns gesetzt hat, je einen Hund zur Seite, beginnt er von seinen Lieblingen zu schwärmen. Er erzählt uns, dass jeder Hund seine Vorlieben hat, damit muss sich der Zweibeiner eben auch abfinden, so kann es sein, dass sich der Hund einem Familienmitglied stärker anschließt.

Das Telefon klingelt, ein verzweifelter Mann ist am Apparat! Sein Hund hat fürchterlich gespuckt.
Ja wie es denn aussieht?
Das sei es ja eben, ganz grün und fasrig, so was hätte er noch nie gesehen.
Ob das Tier Gras gefressen hätte?
Ja!
Könnte es sein, dass es sich um eben jenen Bestandteil handle, der da so grün und fasrig ist?
Doch bei näherer Betrachtungsweise, wäre das schon möglich.
Nun solle er noch eine Weile abwarten, wenn das Tier dann noch mal spuckt, wäre es besser einen Tierarzt aufzusuchen. War das aber alles, dann ist es nicht schlimm und kommt sicher noch öfter vor.

Solche Gespräche sind wohl üblich, allein in der Zeit, in der wir dort waren, haben mehrere Käufer angerufen und um Rat nachgefragt. Die Fragen sind immer ausführlich beantwortet worden und man hat richtig gemerkt, das es der Züchterin Spaß macht mit den Leuten zu reden und etwas über ihre Hunde in Erfahrung zu bringen.

Und die vielen Pokale! Ja mit den Rüden gehe man noch fleißig auf Ausstellungen und die Hündinnen müssen auch eine gewisse Anzahl an Ausstellungen vorweisen, bis sie zuchttauglich geschrieben werden. Nun folgen einige Anekdoten über Ausstellungen. Urkunden werden gezeigt. Man ist auch stolz, dass eine Hündin den dritten Platz unter 200 Hunden belegt hat.

Noch immer haben wir die Welpen nicht gesehen. Inzwischen haben sich die erwachsenen Hunde ihre Fellmasseure ausgesucht und liegen gemütlich "griffbereit" zu unseren Füßen.

Auf einmal springt die Mutter der Welpen auf und rennt aus dem Zimmer.
Aufgeregt kommt sie zurück und stupst die Züchterin an, jetzt sind beide verschwunden.
Es dauert nicht lange und die Züchterin kommt mit einer Handvoll Hund zurück. Die Kleinen haben geschlafen und wenn wir noch ein wenig Geduld haben, dann dürfen wir ins Welpenzimmer.

Keine Frage, wir warten.
Endlich ist es soweit, in Begleitung der großen Hunde begeben wir uns in die Welpenstube. Ein richtiges Kinderzimmer, mit einem Brett vor der Tür, damit die Kleinen nicht ausbüxen können, aber niedrig genug für die Großen. Alle Tiere bemühen sich um die Welpen, sogar einer der Rüden ist fleißig dabei. Die Züchterin erklärt uns, dass so ein großes Rudel gut funktionieren muß, wenn man keinen Streß haben will. Aber man konnte sehen, dass alle aufeinander eingespielt waren. Dann ist die Züchterin in die Stube gegangen, hat alle Welpen gestreichelt und uns einige gezeigt. Eine Auswahl könne man jetzt noch nicht treffen, da die Tiere zu klein seien, um etwas über sie zu sagen. Sollten wir Interesse haben, oder gar einen Welpen wollen, dann wäre es ohnehin gut, wenn wir noch mehrmals vorbeikommen.

Es war eine Spontanentscheidung und heute würde ich auf jeden Fall mehrere Züchter besuchen, auch wenn ich im Endeffekt wieder bei dieser Züchterin kaufen würde. Also wurde eine Hündin reserviert. Vorher mussten auch wir einige Fragen beantworten.

In der nächsten Woche hat uns dann eine Karte erreicht, die folgendermaßen aussah: Auf der Vorderseite ein Bild vom Papa, auf der Rückseite eines von der Mama und im Innenteil ein Welpenfoto mit Namen und Wurfdaten unserer Hündin ( den Namen hatten wir bei der Reservierung gleich ausgesucht). So wurde uns das Warten erleichtert.

Beim nächsten Besuch war keines der Jungtiere wiederzuerkennen. Mein Gott, waren die gewachsen. Ich habe mich sofort für eine Hündin entschieden, das junge Fräulein war ganz der Papa. Leider kommt es vor, dass andere Leute schneller sind, die Hündin war bereits vergeben. O.K., dann warte ich auf den nächsten Wurf! ( Ist auch besser, wenn man keine Alternative findet.) Mein Mann war dagegen, er hatte sich in ein anderes Tier verguckt.
"Das kannst du ja nehmen, ich will so einen Bären haben!" ( Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelst...). Na ja, man kann es sich denken, ich wurde überstimmt. Mann, war ich sauer!

Nun wurde die Übergabe besprochen, in drei Wochen konnten wir das Hundekind abholen. Diesmal, bei schönem Wetter im Garten, konnten wir den Welpen beim ausgelassenen Spiel zusehen. Da gab es Erdkuhlen, eine kleine Blechröhre, ein Holzboden, verschiedene Untergründe, Wasser und viele Büsche, hinter denen man verschwinden konnte. Heute weiß ich, dass dies optimal für die Welpen ist und durchaus durchdacht, aber wenn man so einen Garten zum ersten Mal sieht, kann man schon auf den Gedanken kommen, dass eine Aufräumaktion nicht das Schlechteste wäre.

Wie das mit der Erstausstattung aussehe. wurden wir gefragt. Man könne alles bei ihr mit nehmen, oder in einem Geschäft kaufen, wie wir wollen. Nachdem ich die Ausstattung gesehen hatte, habe ich mich für diese Artikel entschieden. Und ich muß sagen, es war nichts im Preis überhöht und auch nichts Unnötiges dabei.

Drei Wochen später...

Nun war der große Tag gekommen!

Wir holen unseren Welpen ab. Na ja, meine Freude war sichtlich gedämpft, war es doch nicht der Hund, den ich wollte. Bei der Züchterin angekommen, wurden zuerst die Formalitäten erledigt. Sie hat uns einen Ordner übergeben, der alle wichtigen Unterlagen enthielt. Zuerst war da die Ahnentafel, dann der Kaufvertrag, ein Impfpass, dort war der Termin für die Nachimpfung bereits eingetragen. Ein Futterplan, ein Rassestandard, ein schönes Gedicht über den Umgang mit Lebewesen und viele Ratschläge zur besseren Eingewöhnung und Pflege des Welpen. Bis heute bin ich mir sicher, dass, dies eher die Ausnahme ist, uns hat es jedenfalls weitergeholfen. Es wäre schön, wenn sich so mancher Züchter da ein Beispiel nehmen würde. Auch die Wurmkurtuben wurden mit Terminen und Mengenangaben versehen und wenn was unklar ist- melden!

So - jetzt war die Stunde der Wahrheit gekommen. Den Welpen auf dem Arm, ging ich wie auf Eiern zum Auto, es könnte ja sein, dass der Zwerg einen Satz macht, schließlich kennt sie mich ja noch nicht. Der Herr des Hauses kommt nicht mit, es tut jedesmal weh, wenn ein Kleiner geht.
Die Züchterin hatte die Welpen bereits ein paar Mal im Auto mitgenommen, so war nicht zu vermuten, dass es unterwegs Komplikationen gibt. Dann kommt ein wehmütiger Abschied, mit der Bitte um einen Anruf in den nächsten Tagen.

Natürlich habe ich angerufen und nicht nur einmal.

Oh Gott, wenn was mit "meinem" Hundebaby nicht in Ordnung war! Niemals war es zuviel, oder zu spät, ich habe immer Hilfe bekommen und bis heute einen guten Kontakt. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass man bei einem guten Züchter die Liebe zu seiner Rasse sehr schnell erkennen kann.

Ich wünsche allen, die gerade auf der Suche sind soviel Glück, wie wir es hatten.